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Warum ich erst als Mutter den Mann für’s Leben kennenlernte

Ich sah Steffen das erste Mal bei einem Basketballturnier. Optisch stach er mir direkt ins Auge: groß, muskulös und blaue Augen – es gibt definitiv schlechtere Partien würde ich sagen. Kurz darauf, sah ich allerdings auch, dass er eine Freundin hatte. Somit war er also schon wieder uninteressant für mich.

Einige Monate später erhielt ich über Facebook eine Freundschaftsanfrage von ihm.

So bekam ich auch mit, dass sein Beziehungsstatus mittlerweile auf „Single“ aktualisiert wurde. Sein Profil verriet mir auch, dass er in München wohnte, also gute 600 km von mir entfernt.

 

Irgendwann fing er an mir zu schreiben. Seine Art zu schreiben, suggerierte mir jedoch nicht, dass er Interesse an mir hatte, sondern es kam mir eher freundschaftlich vor, manchmal schon fast förmlich. Ich war mir sicher, dass mein Anwalt mir bereits weniger förmliche Nachrichten hatte zukommen lassen, als er. Bis zu dem Tag, an dem er mich fragte, ob ich mit ihm ein Eis essen gehen wollte und er sich freuen würde, wenn ich Giulio mitbringen könnte, hielt dieser Eindruck bei mir an. Ich dachte mir: „Verdammt weiter Weg aus München, nur für ein Eis“. Aber nun ja, warum nicht. Ich stellte jedoch früh klar, dass Giulio nicht Teil des Treffens sein wird.

 

Er kam also den weiten Weg aus München mit dem Auto gefahren und wir trafen uns zum Essen. Steffen drückte sich immer sehr gewählt aus und seine Gesprächsthemen langweilten mich fast zu Tode. So entschied ich, es war noch keine Stunde vergangen, mir kurzerhand eine Ausrede einfallen zu lassen um dieser Verabredung ein schnelles Ende zu bereiten. Ich murmelte etwas von wegen ich müsste zurück zu meinem Sohn Giulio und stand auf. Er wusste es war nur eine Ausrede und war sichtlich enttäuscht. Trotzdem fuhr er mich noch höflich nach Hause. Die 600 km aus München, war er wohl umsonst gefahren.

 

Er schrieb mir noch eine Nachricht, in der er klarstellte, dass er wieder Heim fuhr und dass er dies wirklich schade fand, doch er wäre kein Mensch der sich zum Hampelmann mache für jemanden der dies nicht zu schätzen wisse. Nachdem ich mich fertig für das Bett gemacht hatte, fing ich an nachzudenken.

 

Was war es, was ich wollte?

Ich hatte eine der schlimmsten Beziehungen hinter mir, in der das Wort Respekt einfach nicht existierte. Ich war zwar glücklich alleine mit meinem Sohn und sah das Glück sowie die Zukunft in ihm aber doch wünschte ich mir für uns Beide, dass wir eines Tages wieder jemanden in unserem Leben haben, der die Rolle des Mannes bzw. liebevollen Vaters übernimmt. Steffen war eigentlich genau der Richtige für uns. Er sah nicht nur gut aus, sondern, was viel wichtiger war, er machte den Anschein, als wäre er bereit Verantwortung zu übernehmen. Er verkörperte jemanden, an dem auch ich mich mal anlehnen konnte und nicht nur andersherum. Gut, er sprach etwas geschwollen, doch dies war meiner Meinung nach eine Eigenschaft, an der man gemeinsam arbeiten konnte.

 

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, entschied ich mich, über meinen Schatten zu springen und ihn anzurufen um mich für mein Verhalten zu entschuldigen. Er sagte mir, er könne erst in sechs Wochen wiederkommen, da er sehr viel arbeiten müsse. Ich hatte schon einmal enthusiastischere Telefonate mit Männern geführt, doch ich wollte nach meinem Abgang am Vorabend erst einmal keine Anforderungen stellen. Ich unterdrückte also die Diva in mir und wartete geduldig die sechs Wochen ab.

 

Anderthalb Monate später, stand ich also an unserem verabredeten Ort und bekam von hinten eine riesige Umarmung. Ich weiß nicht, warum ich mich an diese Umarmung immer noch erinnere, als wäre sie gestern gewesen, doch sie löste etwas in mir aus.

Auch die Tatsache, dass er meine UGG Boots, die für mich im Winter unersetzlich sind, wirklich grässlich fand, konnte dem Kribbeln in meinem Bauch keinen Abbruch tun.

Ich glaube es war einfach das Gefühl, sich auch mal bei jemandem fallen lassen zu können und sich bedingungslos geborgen zu fühlen, welches mir im Kopfe blieb.

Kurz darauf, lernte Steffen Giulio kennen. Die Zwei waren auf Anhieb ein Herz und eine Seele. Drei Monate nach unserem alles verändernden Treffen, gab er sein Leben in München auf und zog zu uns.

Mein Ex Freund sagte einmal zu mir, dass ich garantiert nie jemanden finden würde, der eine alleinstehende Frau mit Kind wie mich wählen würde. Dieser Satz war einer der absurdesten Sätze, die er jemals von sich gab und was soll ich sagen – er lag wohl falsch!

 

Das zweite, jedoch erste gemeinsame Kind folgte ziemlich schnell. Es ist, als wäre es nie anders gewesen. Steffen ist der Vater meiner zwei Kinder und ich bin jeden Tag dankbar über die Art und Weise, wie wir diese Beziehungen führen.

 

Manchmal spielt das Leben anders, als geplant. Doch nur, weil man plötzlich mit einem Kind alleine steht, heißt es nicht, dass einem alles Glück nicht noch bevorsteht.

15 Kommentare

  • Madame

    Eine sehr ehrliche und süsse geschichte des kennenlernens ! Find ich richtig toll das du mir einen kleinen einblick erlaubT hast, ich wünsche dir und deiner familie alles liebe !

    August 26, 2017 at 9:45 am
  • Madame

    ❤️

    August 26, 2017 at 9:50 am
  • Eva

    Sehr schön!

    August 26, 2017 at 2:08 pm
  • Jasmin

    Ich hab sie jetzt schon zum zweiten mal durchgelesen, weil es einfach so schön ist 😁

    August 27, 2017 at 11:29 am
  • Youngmommy96

    Eine wunderschöne Geschichte mit einem happy end … Toll!

    August 27, 2017 at 11:54 am
  • Sheila

    Es ist so schön, dass du deine Geschichte mit uns teilst liebe Kamika! Ich war ehrlich gesagt auch total erstaunt, Steffen ist so ein wunderbarer Papa, für mich wart Ihr schon immer eine Familie, von Anfang an, umso erstaunter war ich und dieser Einblick ist so schön! Ihr beide macht das wirklich toll. Danke dafür ♥️ Ihr seid wundervoll und Steffen gehört definitiv zu den tollsten Papis der Welt, auch wenn ich Euch nur über Instagram kenne, was man sieht, reicht 😍

    August 29, 2017 at 8:10 am
  • Jenny

    Tolle Geschichte, Mega Liebe!!! Es sind die kleine Dinge die man erkennen sollte im Leben.

    August 30, 2017 at 10:00 am
  • Rika

    Liebe Mika,

    Ich bin ganz zufällig auf dein Blog. Ich bin selber Alleinerziehende Mama und deine Geschichte berührt mich wirklich sehr. Normalerweise bin ich eher eine stille Leserin aber muss dir das einfach mal hier mitteilen. Du hast eine tolle Art zu schreiben und eine wundervolle Familie! Alles Gute und Liebe ❤️

    LG Rika

    August 31, 2017 at 7:38 pm
    • frauendings

      Liebe Rika,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
      Gerade weil du sonst eine stille Mitleserin bist, weiß ich diesem umso mehr zu schätzen. Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie vom Herzen nur das Beste. 💓

      September 1, 2017 at 4:19 am
      • Rika

        Danke 😘

        September 7, 2017 at 11:29 pm

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