Search

Wenn das Kind auf das Gymnasium geht

Ich erinnere mich noch genau an den Tag an dem Giulio eingeschult wurde, als wäre es gestern gewesen. Da stand er, mein kleines Baby mit einem Ranzen auf dem Rücken, der größer schien, als er selbst. Seine Schultüte war so groß, dass sie seinen kompletten Kopf verdeckte. Es war als wäre die Zeit verflogen.

Die erste und zweite Klasse liefen ziemlich reibungslos ab. Es gab noch keine richtigen Noten die Matheaufgaben und das ABC fielen ihm sehr leicht. Seine Lehrerin beschwerte sich oft darüber, dass Giulio den Unterricht gern mit einer Plauderstunde mit seinen Sitznachbarn verwechselte. Doch abgesehen davon, lief alles für ihn recht gut.

In der dritten Klasse ging Giulio nicht mehr alles ganz so leicht von der Hand. Seine Klassenlehrerin ging, da sie in anderen Umständen war und er bekam eine Neue. Seine schulischen Leistungen sanken rapide und sein sonst so glückliches Gemüt, änderte sich. Er sprach nicht mehr viel. Wenn ich ihn nach der Schule fragte, wie sein Tag war, antwortete er jedes Mal mit einem halbherzigen „gut“. Wir merkten, dass etwas nicht stimmte. Es kostete uns sehr viel Zeit bis wir auf das Problem, dass ihn bedrückte, stießen. Es ging um ein Kind, dass ihn jeden Tag schickanierte.

Wir suchten mehrfach das Gespräch mit der neuen Klassenlehrerin und auch der Schulleitung, doch das Problem wurde nach unserem Empfinden nicht am Schopfe gepackt.

Es begann, dass Giulio gar nicht mehr in die Schule wollte und ständig über Kopfschmerzen und Übelkeit klagte. Wir wussten, dass wir handeln mussten, denn wenn Giulio die Freude an der Schule jetzt schon verlor, dann stand seine schulische Laufbahn stark auf der Kippe.

Wir entschieden uns für einen Schulwechsel. Dies war eine sehr riskante Entscheidung, da er zum Einen von einer Montessori Schule in eine reguläre Grundschule wechselte und zum Anderen, bestand das Risiko, dass seine Noten durch den Schulwechsel noch weiter in den Keller sanken. Wir wussten jedoch, dass in der neuen Schule zwei seiner Freunde aus dem Fußballverein waren und nach einem Gespräch in der neuen Schule  waren wir positiver Dinge, dass wir das Richtige für unser Kind taten.
Die neue Direktorin, gab uns als Eltern das Gefühl, unser Kind in sichere Hände zu geben.

Er wechselte also zum vierten Schuljahr in die neue Schule. Plötzlich war er wie ausgewechselt. Die neue Schule war einfach ein Traum. Giulio freute sich am Abend schon darauf, am nächsten Morgen wieder in die Schule gehen zu können. Seine neue Lehrerin tat ihm gut, da sie einfach an ihn glaubte. Er bekam viel Lob von ihr aber auch konstruktive Kritik, die ihn besser werden ließ.

Einige Monate darauf fand dann ein Gespräch statt, in dem den Eltern eine Empfehlung ausgesprochen wird, auf welcher Schulform, das Kind am besten aufgehoben wäre. In Nordrhein-Westfalen ist es so, dass die Lehrer/in lediglich eine Empfehlung aussprechen, auf welcher Schulform ihrer Meinung nach das Kind am Besten aufgehoben wäre.

Giulio bekam eine Empfehlung für das Gymnasium über die wir uns natürlich sehr freuten. Steffen und ich hätten auch eine Gesamtschule in Betracht gezogen, da wir Angst hatten, dass der Druck auf dem Gymnasium etwas zu hoch sein könnte. Dort könnte er schließlich auch sein Abitur abschließen. Doch für Giulio war immer klar, dass er gern auf ein Sportgymnasium möchte.

Vorerst musste er einen sport-motorischen Test absolvieren, den er sehr gut bestanden hat. Dies war die Voraussetzung für die Aufnahme auf dem Sportgymnasium. Hierauf folgte eine Einladung zu einem Anmeldetermin. Wir stellten uns also bei seinem Wunschgymnasium vor und nahmen auch keinen Alternativ Termin bei einer anderen Schule wahr um uns abzusichern. Die Plätze in den Schulen sind begrenzt und oft bekommen Schüler absagen für Ihre Wunschschule. Doch wir hatten Glück, die Zusage kam wenige Wochen später.

Mittwoch war also Giulio’s Einschulung auf das Gymnasium. Und wieder ist eine Etappe der Kindheit vorrüber und viele neue stehen bevor. Ich bin in solchen Momenten immer sehr emotional und muss mir meine Tränchen verdrücken.

Er steht hier wie ein junger Mann und ich sehe immer noch den kleinen Jungen, der kaum groß genug war, um über seine Schultüte hervorzublicken.

5 Kommentare

  • Marika

    Ein wirklich schöner Artikel, in dem viel Herz steckt. Toll verfasst!
    Ich habe vor einigen Wochen mein Abitur auf einem Gymnasium in Nrw gemacht und kann sagen, dass es definitv die richtige Entscheidung war. Viele meiner Mitschüler und ich spürten keinen Druck, hatten wenige Hausaufgaben und auch weniger Unterricht als auf einer Gesamtschule. Ich bin mir sicher, dass Giulio das mit links packt!
    Ich schicke euch ganz liebe Grüße und wünsche Giulio viel Erfolg auf seiner neuen Schule! Die Schulzeit ist wirklich klasse.💕

    September 2, 2017 at 2:33 pm
    • Mika

      Liebe Marika,
      es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen Hat. Es beruhigt ein wenig, zu hören, dass der Gang zum Gymnasium für dich mit deiner freien Zeit gut vereinbar war❣️

      September 2, 2017 at 2:48 pm
  • Laura

    Ein sooo schöner Text. Leider steht uns auch ein Schulwechsel bevor. Von einer katholischen Grundschule auf eine „normale“ Grundschule. Allerdings ist mein Sohn erst in der 1.Klasse. Auch er klagt über Bauchschmerzen am Morgen. Aber wenn 2 Lehrerinnen die Kinder mit „Ihr spinnt wohl, wie oft soll ich euch denn noch helfen“, auf den Lehrertisch hauen und er dadurch total eingeschüchtert ist, ist es unsere Aufgabe als Eltern, unsere Kinder zu schützen.

    Februar 27, 2018 at 3:30 pm
    • Laura

      Also das ist natürlich nicht der einzige Grund, aber die anderen Gründe haben hier in der Öffentlichkeit nichts zu suchen.

      Februar 27, 2018 at 3:31 pm

Leave a Reply